Die Kämpfe des Christen (16. Brief)

Lieber ...,

habe ich im vorigen Brief zumeist davon geredet, was der gute Kampf des Glaubens nicht ist, möchte ich heute mit dir noch näher darüber reden, was er ist. Das führt uns zum Epheserbrief. In diesem herrlichen Brief wird der Gläubige in die "himmlischen Örter" eingeführt. Christus ist dort; und in Ihm schaut uns Gott als schon jetzt dorthin eingeführt. Wir sind ja Christi Miterben und in Ihm gesegnet "mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern." (Eph. 1,3; 2,6.) Auch be sitzen wir den Heiligen Geist, der "das Unterpfand unseres Erbes" ist. (Eph. 1,13-14,) Nun sollen wir im Glauben das uns geschenkte himmlische Kanaan (die himmlischen Örter) praktisch mit unseren Herzen in Besitz nehmen und darin wohnen, d. h. uns da aufhalten, Wir sollen als himmlische Wesen, als Himmelsbürger leben, immer vor Gottes Angesicht stehen in Licht und Liebe. Aber in den "himmlischen Örtern", wo unser Platz jetzt in Christus ist, da sind auch noch "die geistlichen Mächte der Bosheit". (Eph. 6,12.) Sie suchen mit aller List uns am Genuss der uns gehörenden himmlischen Segnungen zu hindern und uns im geistlichen Fortschritt aufzuhalten. Jedes Mittel dazu ist Satan willkommen; entweder betört er die Heiligen durch falsche Lehren oder durch die Dinge dieser Welt und verhindert sie, ihren himmlischen Platz mit dem Herzen einzunehmen und ihre herrlichen Vorrechte zu genießen. Und wir brauchen die "ganze Waffenrüstung Gottes", um den Anläufen des Feindes zu widerstehen. Die Grundlage von allem ist (auch hier) für uns der Tod: unsere Verbindung mit Christus in Seinem Tod und Seiner Auferstehung. Wir sprachen schon vom Roten Meer; es musste den Erlösten von Gott geöffnet werden, damit sie Ägypten, das Land der Knechtschaft, verlassen konnten. Der Jordan hingegen, der gleichfalls von Gott für sie geöffnet wurde, musste von ihnen durchschritten werden, um in das gesegnete Land der Verheißung eingehen zu können. Das eine Wasser wollte sie hindern, aus dem alten Land heraus zu kommen, das andere, um hineinzukommen in das neue Land. Das Wasser ist beide Mal ein Bild von dem Tod. Wir sind durch den Tod Christi aus Ägypten - dem gegenwärtigen, bösen Zeit lauf - herausgenommen worden (Gal. 1,4) und sind wiederum durch den Tod Christi, der für uns gestorben und auferstanden ist, und in welchem wir mitgestorben, mitauferweckt und mitversetzt worden sind in die "himm lischen Örter" (Eph. 2,6), in das himmlische Land der Ver heißung eingeführt worden.

Nun ist uns aber im Durchgang der Kinder Israel durch den Jordan, um in ihr Land der Verheißung einzugehen, eine Lehre erteilt worden, die ich nicht unbeachtet lassen möchte. Josua musste zwölf Steine in der Mitte des Jordans aufrichten und dort stehen lassen; zwölf andere Steine aber musste er aus dem Jordanbett mitnehmen ins Gelobte Land, also aus dem Fluss des Todes in das Land der Verheißung. Dort wurden sie bei Gilgal aufgerichtet zum Ge dächtnis (Zeugnis), dass die zwölf Stämme Israels nur durch den Tod hindurch hierhergekommen waren, und dass sie nach dem alten Leben und Wesen - wie die zwölf im Fluss aufgerichteten Steine bezeugen sollten - dem Tod übergeben worden waren. Nun genügt aber dieses einmalige Zeugnis von der Ausrichtung der zwölf Steine nicht, diese Tatsache festzustellen, sie musste auch stets verwirklicht werden. Daher mussten die Kinder Israel in Gilgal die Vorhaut ihres Fleisches mit scharfen Steinmessern beschneiden und nach jedem Siegeszug, den sie von Gilgal aus unternahmen, wieder nach Gilgal zurückkehren. Versäumten sie dies, so wurden sie geschlagen.

Was bedeutet dies alles nun für uns? Was ist unser Gilgal? Die stete Verwirklichung des Todes unseres alten Menschen schon durch den Glauben und die Verurteilung oder Tötung aller Glieder oder Äußerungen des alten Menschen, von denen Gott uns im Tod Christi richterlich auf ewig befreit hat. Das Geheimnis unserer Siege liegt in dieser Verwirklichung des Todes in der Tötung der "Glieder" (wie des Herzens Triebe und Äußerungen bildlich genannt werden, Kol. 3,1-11), was durch die Innewohnung, Leitung und Wirksamkeit des Heiligen Geistes geschieht (Röm. 8,9-17).

Nur in der Stille mit Gott, äußerlich und innerlich getrennt von allem Bösen, durch das stete Selbstgericht unter der Schärfe des Schwertes, das Gottes Wort ist, und unter der Zucht des Heiligen Geistes finden wir Kraft zur Führung des guten Kampfes.

So sehen wir auch den treuen Apostel Paulus den guten Kampf kämpfen bis an sein Ende. Lies 1. Kor. 9,25- 27; 2. Kor. 4,10-12; 2. Kor. 10,3-5 und andere Stellen.

Wenn wir nun die Waffenrüstung Gottes betrachten (Eph. 6,10-20), in der wir allein den guten Kampf wider "die geistlichen Mächte der Bosheit" siegreich führen können, so fällt uns auf, dass die genannten Waffenstücke alle ganz einfache Dinge sind, die jeder Gläubige im täglichen Leben üben soll.

Aber niemand kann und wird den guten Kampf führen, der nicht (wie ich schon oben sagte) mit sich selbst zu Ende ist und nicht die Wahrheit von seiner himmlischen Stellung in Christus kennt! Darum wird auch als erstes Waffenstück die Wahrheit genannt als Gurt um die Lenden. Was diese Wahrheit ist, und wo sie ist, wird uns Eph. 4,20-24 gesagt und schon in den beiden ersten Kapitel dieses Briefes, wo wir über die himmlische Stellung der Gläubigen in Christus belehrt werden. Dann folgt der Brustharnisch der Gerechtigkeit, d. h. eines praktisch guten Zustandes und die Beschuhung der Füße mit dem Evangelium des Friedens. Also ein guter geistlicher Zustand des Herzens, und ein treuer, gottseliger Wandel (wofür die Füße" als Bild gebraucht werden), sind das erste, was der Christ, der die Wahrheit von seiner himmlischen Stellung kennt und behaupten will, offenbaren muss. Sonst wehe ihm im Kampf gegen Satan! Es wäre ihm besser, und auch besser für das Zeugnis oder die Ehre des Herrn, er hätte nie die Wahrheit zu kennen bekannt. Satan hat ihn vielleicht ernster verwundet oder tiefer gestürzt, als ein Welt kind fallen mag.

Sind aber ein geistlicher Zustand des Herzens und ein treuer Wandel vorhanden, welch ein Zeugnis ist es dann zum Preis der Gnade Gottes! Jetzt ist der Gläubige auch erst fähig, mit Erfolg die übrigen Waffenstücke zu tragen: den Schild des Glaubens, den Helm der Hoffnung und vor allem das Schwert des Geistes, d. h. Gottes Wort zu führen, sowohl für sich als auch für andere. Auch wird das Gebet dann nicht fehlen, ein ernstes Flehen für sich selbst und für alle Heiligen. Du weißt aber, welch herr liche Verheißungen das "Gebet des Gerechten" hat. Möchtest du auch schon deshalb im guten Kampf erfunden werden! - Und wie groß ist die Glückseligkeit, d, h. was kommt dem tiefen Frieden gleich, der reinen und verherrlichten Freude, die wir genießen. wenn wir unsere unantastbare, ewig vollkommene Stellung in Christus vor Gottes Angesicht kennen und sie praktisch einnehmen und behaupten gegenüber aller Macht und List des Feindes, der uns mit unserem Herzen und Wandel stets daraus verdrängen will. Tragen wir die ganze Waffenrüstung Gottes, so führen und bestehen wir den ernsten Kampf. Dank und Anbetung steigen dann auf zu Gott, dem Vater, durch Jesus Christus, und reicher Segen geht aus von uns zu anderen hin. Welch hohe Berufung, welch glückliches Teil, lieber Bruder, ist uns geworden!

Doch ist mit der praktischen Einnahme und Behauptung unserer himmlischen Stellung in Christus der gute Kampf noch nicht erschöpft; wir finden in Kol. 1,28-29, dass sich für den Apostel mit diesem Kampf noch die Arbeit verband. Er bemühte sich nach der in ihm wirkenden Gnade und Kraft Gottes, er kämpfte ringend, den Seelen alles das zu verteidigen und mitzuteilen, was für sie in Christus war, um "jeden Menschen vollkommen in Christus" darzustellen. Die Gefahren, die den Kolossern drohten, waren für Paulus und Epaphras die Ursache eines großen Kampfes im ernsten Gebet, damit die Gläubigen in Liebe getröstet und vereinigt werden und in Christus befestigt werden sollten, ja, sie sollten erfüllt sein mit der Erkenntnis des Willens Gottes. (Kol. 2,2; 4,12-13.)

Auch ist uns aus anderen Stellen (Phil. 1,2-30; 1. Thess. 2,2; 2. Tim. 2,3) bekannt, dass es einen "Kampf der Leiden" gab für den treuen Zeugen des Herrn um des Evangeliums willen inmitten einer gottfeindlichen Welt. Auch dies gehört zu dem guten Kampf, zu dem wir berufen sind, geliebter Bruder!

Die Hebräer erduldeten (Hebr. 10,32; 12,4) den gleichen Widerspruch, den Jesus von seiten der Sünder er duldete, wenn sie auch noch nicht wie Er bis aufs Blut widerstanden hatten. So finden wir, dass auch das Festhalten am Bekenntnis inmitten der Verfolgungen und An läufe des Feindes zum guten Kampf gehört.

Wenn wir zu den mehr prophetischen Schriften kommen, dem Judasbrief, dem 2. Brief des Petrus und zum 2. Timotheusbrief, sehen wir den Verfall vorhergesagt, der sich in der Kirche, die der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit ist, einstellen würde, und der sich leider in solch verheerender Weise eingestellt hat, wie wir das heute sehen. Was gilt es da zu tun für alle, die wahre Streiter Christi sein und den guten Kampf des Glaubens streiten wollen? Der Heilige Geist sagt es uns, dass wir "für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben" kämpfen sollen. (Judas 3.) Dies ist der Kampf für die Unverbrüchlichkeit des Wortes Gottes und für die Reinheit und Lauterkeit der Lehre und des Zeugnisses inmitten des Unglaubens und Aberglaubens und der Untreue der christlichen Bekenner.

Gewiss möchtest auch du in diesen unseren ernsten und bösen Tagen ein treuer Zeuge für Gottes untrüglich und heiliges Wort und für Seinen Sohn sein. Gott will und muss ein Zeugnis inmitten des Verfalls haben. Wir finden die prophetische Darstellung des Kampfes in den sieben Sendschreiben der Offenbarung, wo wir immer wieder hören: "Dem, der überwindet . . ." Sei auch du ein Überwinder!

Möchte der Herr von dir bezeugen können, wie von Philadelphia: "du hast Mein Wort bewahrt und Meinen Namen nicht verleugnet." (Offb. 3,8.)

Wir haben also heute den guten Kampf des Glaubens in einigen seiner Züge betrachtet; dazu gehört

Möchten wir doch alle diesen guten Kampf kämpfen, mit der ganzen Waffenrüstung Gottes angetan. Ja, möchtest auch du dich erweisen als "ein guter Kriegsmann Jesu Christi"! (2. Tim. 2,3.)

Nichts kann auf dieser Erde gesegneter und herrlicher sein, als im Licht Gottes zu stehen, nüchtern und treu, "angetan mit dem Brustharnisch des Glaubens und der Liebe und als Helm mit der Hoffnung der Errettung" {1. Thess 5,8}. Dazu wolle auch dir Gott durch Sein Wort und Seinen Heiligen Geist die nötige Gnade und Treue darreichen! Ja, Seine Gnade und Sein Friede seien mit dir!

Unser Herr Jesus Christus aber, der uns bald aus dieser Welt und aus allem Kampf zur Ruhe und vom Glauben zum seligen Schauen führen wird, bewahre und befestige dich in allem guten Werk und Wort!

In Ihm in treuer Bruderliebe

dein ...